Schüler schreiben Aufsatz über Zahnarzt in
Bratislava
Die Schüler der vierten Klasse an der St. Martinschule in Buxtehude sollten
einen Aufsatz schreiben. Als Thema gab die Lehrerin, Frau Karin Wohlfeil, “Mein Zahnartbesuch“ vor. Den Kindern
stand es dabei frei, echte Erfahrungen zu schildern oder sich eine Geschichte über einen Besuch beim Zahnarzt
auszudenken, solange diese sich im Rahmen eines Zahnarztbesuches bewegten. Mit dieser Hausaufgabe wurden die Kinder
ins Wochenende entlassen. Ab dem folgenden Montag sollten dann alle Kinder Gelegenheit bekommen, ihre Aufsätze
vorzutragen. Frau Karin Wohlfeil wollte mit dieser Hausaufgabe überprüfen, inwiefern die Kinder schon in der Lage
waren, Erlebtes und Erdachtes adäquat in eigene Worte zu fassen. Und sie bekam mehr als das.
Zuerst erfolgte der Schreckensbericht des kleinen Sebastians. Er schilderte
seine Sichtweise auf den hiesigen Zahnarzt Bratislava als eine solche, in der dieser wie ein gnadenloser Übermensch
rüber kam. Ein Dämon mit weißen Zähnen und fiesen Folterinstrumenten, von denen er lustvoll und beschwichtigend
Gebrauch machte. Und dann wollte er auch noch die Süßigkeiten verbieten. Es war also klar zu erkennen, dass
Sebastian von Zahnärzten im Allgemeinen nicht allzu viel hielt.
Lisa, die Klassenbeste, lieferte einen Aufsatz ab, der einer Abhandlung über
alle der Menschheit bekannten Zahnerkrankungen glich. Diese Erkenntnisse entlockte sie durch gezieltes Nachfragen
einem Zahnarzt, der peinlich berührt war, dass seine Wissenslücken doch den Zahnlücken mancher Patienten ebenbürtig
waren. Das Gespräch mit der kleinen Lisa brachte ihm die Erkenntnis, sich gegen seine Betriebsblindheit fortbilden
zu müssen und der kleinen Lisa eine 1+ ein.
Besonders stach jedoch der Aufsatz von Moritz hervor, der seinen
Zahn-Touristen mit kindlichen Schilderungen als Wohltäter seiner Zunft und waren Menschenkenner anpries. So
erzählte er von einem Zahnarztbesuch im vorigen Jahr. Er hatte fürchterliches Zahnweh gehabt und war voller Angst
mit seiner Mutter zum unsausweichlichen Zahnarzttermin gefahren, der ihn schon seit Tagen geängstigt hatte.
Besonders begeistert war Frau Karin Wohlfeil davon, wie Moritz seine Gefühle im Wartezimmer beschrieb. So will er
sich gefühlt haben, wie ein Karnickel in der Falle, dem zwar keine unmittelbare Gefahr drohe, doch dennoch sei es
unausweichlich verloren. Damit hatte der kleine Moritz den Geist, der jedes Wartezimmer auf dieser Welt
durchdringt, genauestens beschrieben. Doch dann war ein großer, freundlich aussehender Mann ins Zimmer getreten,
der sich als Dr. Hartmund Weiß dem kleinen Moritz vorstellte und ihm die Hand reichte. Er fragte ihn, was denn das
Problem sei und ob man da nicht mal nachschauen solle. Moritz stimmte dem natürlich zu (ohne es zunächst auch so zu
meinen). Auf dem Patientenstuhl kam er sich dann vor wie zur Folter preisgegeben. Doch zu seinem Erstaunen ging
dann alles ganz schnell. Außerdem wirkte sich die Anwesenheit einer hübschen Zahnarzthelferin, wie Moritz nicht
ohne Scham zugab, äußerst beruhigend aus. Zum Abschied bekam Moritz dann noch ein zuckerfreies Bonbon, was er
ebenfalls nicht verkehrt fand.
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